Lagginhorn (4.010 m) – Auf den niedrigsten der Schweizer 4.000er

Es mag ja sein, dass das Lagginhorn ein 4.000er ist, den man gerne im eigenen Gipfelbuch vermerkt. Natürlich, das Panorama vom Gipfel ist bei guter Fernsicht eines jeden Bergsteigers Traum. Und ja, das Lagginhorn zählt eher zu den technisch leichteren 4.000er in den Alpen. Aber ist das Lagginhorn deswegen ein Berg, welcher ’schön‘ zu besteigen ist (um einmal diese Formulierung zu gebrauchen)?

Ein Blick auf die (von mir wahrgenommen) Verhältnisse:

Weissmieshütte – Gletschereinstieg: unschwierig; über angelegten und markierten Bergwanderweg. Allerdings sollte man tunlichst im Lichtkegel der Stirnlampe nicht die Steinbrücke über den – im Sommer stark angeschwollenen Bach – übersehen. Sonst heißt es suchen, wo’s am wenigsten nasse Füße verspricht.

Lagginhorngletscher-Traverse: unschwierig; keine Spalten und festgefrorener Firn. Dafür ernste Steinschlaggefahr: Wir erlebten drei deftige Felslawinen, die von weit oberhalb des Berges runterkamen und deren Steine bis auf die Spur über den Gletscher gelangten. Wir hatten zu der Zeit den Grat längst erreicht, während andere Bergsteiger noch mit der Traversierung des Gletschers beschäftigt waren.

unterer Grat: Über loses Geröll und teils lose Felsblöcke – die Wegmarkierung (rote Punkte und Steinmänner) ist nicht immer eindeutig – zur ca. 10 m bis 15 m hohen bzw. langen Platte (UIAA: II), die bei Nässe und Raureif rutschig ist; kann teilweise umgangen werden.

oberer Grat: Zick-zack führt es einen Steig hinauf, der aber immer wieder durch Schutt und Geröll überdeckt wird. Das macht das Gehen (Wegrutschen) und die Routenfindung schwierig bis nervig. Zudem unterbrachen Blankeisfelder mit sehr dünner bis keiner Firnauflage den Steig (bei ca. 35° bis 40° Hangneigung). Die Eisfelder konnten wir zwar umklettern, aber im sehr brüchigen Fels.

Gipfelausstieg: Guter Trittfirn. Ein Trost.

Weil die besagten Blankeisstellen gerade im steilen Hang sehr schwieriges Gehgelände darstellten, haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen diese Stellen zu umklettern (UIAA: II). Wir verließen also den Firn (oder was davon vorhanden war) und kletterten ab da die Felsen hoch. Diese stellten sich allerdings als ausgesprochen morsch, brüchig und rutschig heraus…

Wer auf Blockkletterei, loses Gestein, ‚Treppensteigen‘ und dergleichen mehr steht, für den mag das Lagginhorn genau das Richtige sein. Als im Grunde reine Felstour ist das Lagginhorn nicht mein Lieblingsberg geworden. Dafür ist die Felsqualität einfach zu schlecht.
Aber bei allem Lamentieren ist eines doch ziemlich klar: Natürlich ist und bleibt diese Tour eine neuerliche Erfahrung und ein weiteres ‚Holzscheit‘ auf dem ‚Feuer der Erinnerungen‘, an dem ich mich gerne wärme – in der gipfelarmen Zeit zu hause.

Gipfel erreicht am: 16.07.2010. Bedingungen im Auf- und Abstieg: mittel bis bescheiden.

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