Similaun (3.606 m) – Der keltischen Göttin aufs Dach gestiegen

Der Name Similaun leitet sich aus dem altorientalisch-mediterranen Samaluana ab. Sam bedeutet so viel wie weiß bzw. glänzend, alu meint Göttin und ana ist der Eigenname der Ahnfrau Ana – einer ursprünglich keltischen Göttin, die auch im Vorderen Orient verehrt wurde. Similaun bedeutet somit die Weiße Göttin Ana. (Vgl. Haid, Hans: Mythen der Alpen: von Saligen, Weissen Frauen und Heiligen Bergen. Wien u.a. 2006, 193).

Dieser Göttin sind wir nun ganz frech aufs Dach gestiegen. Vielleicht haben wir sie damit erzürnt, weshalb wir gleich dreimal in eine Gletscherspalte eingebrochen sind (siehe weiter unten ‚Persönliche Anmerkung’). Viel muss man zu dieser Tour eigentlich nicht sagen: Von der Martin-Busch-Hütte via Marzellkamm zum Gipfel – mal wieder ein ganz großer Tag im Leben.

Gipfel erreicht am: 06.09.2011. Verhältnisse im Auf- und Abstieg: sehr gut. Wetter: sonnig und mild, zeitweise sehr windig.

Persönliche Anmerkung:

Der Similaun wurde – trotz oder gerade wegen seine F-Klassifizierung – für uns zu einem eindrucksvollen Beispiel, dass es keine ‚leichten‘ und schon gar keine ‚ungefährlichen‘ Berge gibt. Jede Bergtour in Schnee und Eis ist eine ernste Angelegenheit. Jede Tour ist anspruchsvoll: Kondition, Kraft, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit aber auch Biss und ein masochistischer Wille sind aus meiner Sicht absolute Pflicht – technische Leichtigkeit hin oder her.

Wir hatten das alles am Berg und dennoch zeigte der im Führer als friedlich beschriebene Gletscher sein eisiges Gebiss. Wir sind ganze dreimal in verdeckte Spalten eingebrochen! Zwar nur bis zur Hüfte, dennoch offenbarte der nachträgliche Blick in jedes Loch die wahren Abgründe: Dünne Schneebrücken über nicht sichtbare aber breite und tiefe Spalten. Ein Bergführer auf der Fineilspitze erzählte uns am Tag darauf, dass die Spalten dort auf dem Niederjochferner über 40 m tief seien.

Glück gehabt!

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